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"Es gibt nichts, was wir nicht können"

Unter dem Kürzel "w4w" haben Nicola Tiling und einige andere Frauen in Hamburg einen professionellen Providerdienst aufgebaut. Das "Web for Women" bietet Serverplatz für Projekte und will den Frauen die Angst vor der Technik nehmen.

taz: Das "Web for Women" ist vor einem Jahr gegründet worden. Heute bietet es Einwählknoten in 17 Städten an, in diesem Herbst soll der Zugang bundesweit zum Ortstarif der Telekom möglich sein. Warum ist eine Providerin besser als ein Provider?

Nicola Tiling: Bei großen Providern sitzen meist Männer an den Hotlines, denen es wichtiger ist, zu beweisen, wie irre toll sie Bescheid wissen, anstatt der Kundin freundlich und kompetent den Weg zu weisen. Und wir sind der Meinung, daß Frauen in allen Bereichen Netzwerke gründen sollten. Mit neuen Technologien umgehen zu können ist eine Machtfrage. Das Internet wird eine Alltagstechnik werden, die allerdings nicht so einfach zu handhaben ist, wie es immer suggeriert wird. Da mußt du schon ein bißchen mehr machen als bei einem Fernseher. Frauen haben häufig Hemmschwellen, die neue Technik zu nutzen, zum einen, weil sie an ihren Fähigkeiten zweifeln, zum anderen, weil sie erwarten, Computer müßten eben doch so einfach zu bedienen sein als ein Fernseher.

taz: Die Idee, Internet-Angebote für Frauen zu machen, haben auch andere schon gehabt.

Nicola Tiling: Ja, sicher. Schon sehr lange gibt es die Frauenmailboxnetze WOMAN und FemNet. Und vor etwa einem halben Jahr gründete sich die deutsche Sektion der Webgrrls, eine Art Busineß-Netzwerk für Frauen im Internet, das sich über einen wöchentlichen E-Mail-Rundbrief organisiert. Wir haben gehört, daß in Berlin jetzt ein Providerdienst "für Frauen und andere" aufmachen will. Wir selbst haben schon über ein Jahr Erfahrung gesammelt. Wir bieten bundesweiten Internet-Zugang zum Ortstarif und Registrierung deines Internet-Namens an. Du kannst deinen Server bei uns unterstellen. Wir beraten über unsere eigene Hotline, leisten Support vor Ort. Wir haben spezielle Diskussionsforen für Frauen, Kurse in Zusammenarbeit mit Frauencomputerschulen, Datenbanken im Internet, wir helfen bei Webseitengestaltung, bei der Konfigurierung des eigenen Rechners und schicken auch mal schriftliche Anleitungen. Es gibt nichts, was wir nicht können.

taz: Auch in Hamburg ist das Web for Women nicht die erste Initiative, die Frauen ins Netz bringen will. Das "Fraueninternetprojekt" FIP engagiert sich seit eineinhalb Jahren für diese Aufgabe. Was ist beim Web for Women anders als bei diesem Projekt?

Nicola Tiling: Das FIP ist nicht kommerziell, das machen sieben Frauen ohne jede Aussicht auf irgendeinen Profit. Die Providerin aber müssen wir kommerziell aufziehen, das geht gar nicht anders. Die Hardware ist viel zu teuer. Anfangs hat das FIP bei comlink den Serverplatz umsonst bekommen. Heute sponsern wir praktisch das FIP, indem wir Platz auf unserem Server zur Verfügung stellen. Übrigens fördern wir auch die women only mail and news, unter www.woman.de die Startadresse für frauenspezifische Informationen im deutschsprachigen Internet.

taz: Woher kommen die zahlenden Kundinnen?

Nicola Tiling: Das Frauenhotel Hanseatin, das Frauenlesbennetzwerk an der Uni, die Frauencomputerschule sind nur drei Beispiele von Projekten, die über uns im Internet sind. Wir versuchen so günstig wie möglich zu sein, ohne daß es in schiere Selbstausbeutung ausartet. Es ist schwierig, gegen die großen Provider mithalten zu können. Die investieren ein paar Millionen und können Preise anbieten, bei denen du schon ins Schlucken kommst. Wenn du dann nicht deine Nische hast, kannst du den Laden gleich dichtmachen.
Vor zwei Jahren gab es bundesweit noch über 2.000 Provider, heute sind es 700, und wahrscheinlich bleiben nur ein paar Dutzend übrig. Wie im Einzelhandel versuchen die Großen, die Kleinen platt zu machen, und bei den Preisen gelingt ihnen das auch.

taz: Würde sich die Internetlandschaft ändern, wenn mehr Frauen im Netz wären?

Nicola Tiling: Es gibt ein massives kommerzielles Interesse, Frauen ins Netz zu bringen. All die vielen Shoppingangebote zielen auf Frauen ab. Aber mehr Frauen heißt noch lange nicht mehr Feminismus, mehr Politik. E-Mails kannst du verschicken, um Weißrussinnen an den Mann zu bringen oder um politische Debatten zu führen. Vor 20 Jahren dachten Feministinnen, die Videotechnik könne als befreiendes Moment genutzt werden, aber es wurde eben keine Technik, mit der sich alle Menschen demokratisch mitteilen. Das wird beim Internet nicht anders sein. Nicht die politische, sondern die kommerzielle Nutzung wird sich durchsetzen. Das Medium wird dazu dienen, den Alltag zu bewältigen, einzukaufen, sich zu unterhalten, Spiele zu spielen. Damit wird das Internet mehr alltags- als technikorientiert werden, was ja auch ein positiver Effekt ist. Aber es wird den Alltag nicht politisieren. Sicher, die Zapatista haben es phantastisch für ihre Interessen genutzt. Das Medium ist nicht von allein politisch, sondern braucht eine politische Bewegung. Und wir leben ja leider in Zeiten politischer Bewegungslosigkeit, auch feministisch gesehen.

taz:Ist das nun Realismus oder Resignation?

Nicola Tiling: Keine Resignation. Wir haben eine Zielgruppe, die kaum größer sein könnte. Wir haben mit unserem Anliegen eine Berechtigung. Und wir haben nicht das Ziel, Millionen zu scheffeln.

taz: Sollen die Frauen mehr auf politische Solidarität als auf die Kosten achten?

Nicola Tiling: Bei uns gibt es erstens unbeschränkten Zugang für 35 Mark. Damit sind wir nicht teurer als zum Beispiel Netsurf und billiger als T-Online. Und zweitens finden sich inzwischen in allen Bereichen Angebote von und für Frauen, ob das nun Handwerkerinnen betrifft, Futons oder Weine. Es gibt eine große Frauenunternehmerinnen- Szene, der wir uns einerseits zugehörig fühlen und die andererseits unsere Zielkundschaft ist. Außerdem: Laut Statistik sind rund 20 Prozent der Netz-User Frauen, in den USA sogar schon fast 50 Prozent. Wenn in Deutschland 10 Prozent der Bevölkerung Internet- Zugang haben, also rund 9 Millionen Menschen, dann sind 1,8 Millionen davon weiblich. Und wenn wir die als Kundinnen haben, können wir zu mehreren gut davon leben. Ach was, ein Prozent davon würden uns auch schon reichen...

taz: Interview: Tina Fritsche